Mit auf weiten Strecken
schiffbaren Flüssen ab Zürich, Bern und Konstanz war in
früheren Zeiten ein reger Verkehr mit Waren und Flossen
zu verzeichnen. Das Wasserfahren geht deshalb auf die
frühere Flösserei zurück und wurde, wie aus der
Koblenzer Zollverordnung hervorgeht, berufsmässig
bereits um 1200 herum rege betrieben. Der Flussweg war
besonders im Mittelland (AARE) beliebt und wurde vom
Alten Bern als Verbindung bis ins Freiamt auch für
polizeiliche Transporte benützt (Gegner des
Patriziersystems wurden so um 1800 auf die Festung
Aarburg übergeführt). Demzufolge entstanden in Bern,
Solothurn, Zürich, Schaffhausen, Baden, Laufenburg und
Basel eigentliche Schifferzünfte, meist auch
Fischerzünfte. Die erste Zunft wurde im Jahre 1336
gegründet.In
Basel entstand die Zunft zu Fischern und Schiffsleuten
im Jahre 1354. Die beiden Innungen erhielten somit
offiziellen Charakter. Sie konnten dem städtischen
Regiment beitreten und daran teilnehmen. Obschon jede
der beiden Halbzünfte in ihren handwerklichen und
gewerblichen Belangen völlig selbständig war und über
ein eigenes Zunfthaus mit Stubenknecht verfügte, traten
sie als politische Einheit auf. Kein Zunftangehöriger
durfte aber beide Handwerke zugleich ausüben. Dies war
im Stiftungsbrief von 1354 festgelegt worden.
Die Fischer liessen
sich jedoch trotz dieser Bestimmungen nicht davon
abhalten an der einträglichen Beförderung der Pilger
teilzunehmen und andererseits beanspruchten die
Schiffsleute auch das Recht zur Fischerei. Dass es
dadurch zu Differenzen zwischen den eng miteinander
verbundenen Handwerken kam versteht sich von selbst.
Fischer wie Schiffer nahmen ihre Berufe sehr ernst. Dies
zeigt die lange Lehrzeit der Schiffer. Wer sich zum
Schiffer ausbilden lassen wollte, hatte vorerst während
zwei Jahren als Ruderknecht zu dienen. Nach Ablauf der
Zeit konnte er baslerische und fremde Schiffe tal- und
bergwärts fahren. Nach weiteren zwei Jahren ersuchte der
Steuermann um Aufnahme in die Zunft. War das zünftige
Urteil günstig, wurde er aufgenommen unter
gleichzeitiger Beförderung zum Schiffsmeister. Also 4
Jahre Lehrzeit.
Um 1820 Uhr wurde aus
solchen Zünften eine Art Genietruppe gebildet. Um 1850,
ev. auch früher, wurden diese Pontoniereinheiten und
Sappeure in der schweizerischen Armee für
Flussüberquerungen und den Brückenbau eingesetzt.
Stützen der damaligen (Militär-) Einheiten waren auch
lose Vereine und Clubs, welche je nach Gutdünken der
Behörde auch Subventionen erhielten. Über die lange Zeit
von 1354 bis zur Gründung der ersten Wasserfahrvereine
gibt es leider keine genauen Angaben über die Sportart
Wasserfahren. Man weiss lediglich, dass es damals den
Fischern und Schiffern vorbehalten gewesen ist mit ihren
Schiffen und Booten Wettkämpfe zu bestreiten. So wie es
die Flösser von jeher mit ihren Baumstämmen getan haben.
Durch die Gründung der
ersten Wasserfahrvereine, wandten sich diese vom nur
"militärischen" Gebrauch ab um Wasserfahren auch als
Sportart und als Wettkampf zu betreiben. Als erster
Wasserfahrverein wurde 1869 der Limmat Club Zürich
gegründet. Es folgten im Jahre 1883 der Rhein Club Basel
und 1884 der Fischer Club Basel. Am Anfang bestanden
diese Wasserfahrvereine vorwiegend aus Fischern¸ welche
nebenbei als Schiffsleute bei Wasser- und Uferbauten
tätig gewesen sind¸ also schon in irgend einer Art und
Weise mit dem feuchten Element verbunden und vertraut waren. Im Vordergrund ihres Tun´s stand die Pflege des
Wassersports¸ die Gesunderhaltung des Körpers und die
Stärkung der Nerven. Vor allem aber das sich messen im
sportlichen Wettkampf. Genauso wichtig war aber auch das
gesellige Beisammensein.
Das Wasserfahren fand seinen Ausdruck
nicht nur in sportlichem Wettkampf und geselligen
Beisammensein, sondern auch in sogenannten Fern- oder
Talfahrten. Die wohl berühmteste Talfahrt dürfte
sicherlich die Hirsebreifahrt von Zürich nach Strassburg
(F) sein. Diese Hirsebreifahrten fanden in den Jahren
1456, 1576, 1976, 1986 und 1995 statt. Dazu ein kurzer
Ausflug in die Hirsebreifahrt. In Strassburg wurden in
frühester Zeit Freischiessen durchgeführt. Dazu wurden
auch Schützen aus anderen Ländern und auch aus Zürich
eingeladen. Es soll dann zu einer Wette zwischen
Strassburgern und Zürchern gekommen sein. Die Zürcher
behaupteten, falls Strassburg während Kriegswirren
belagert werden sollte, sie es fertig bringen würden,
einen Topf mit warmem Hirsebrei, am gleichen Tag an dem
dieser zubereitet wird, auf dem Wasserwege von Zürich
nach Strassburg zu fahren. Der Hirsebrei sollte dann
noch warm sein. Und tatsächlich, im Jahre 1456 lösten
die Zürcher ihre Wette ein und gewannen diese. Heute
dauern die Hirsebreifahren etwas länger und sind sicher
auch lustiger.
Die ersten Schiffe waren noch Eigentum
von Vereinsmitgliedern, welche diese auch zur Ausübung
des Berufes als Fischer und Schiffer benötigten. Erst
als es immer weniger Fischer und Schiffer gab, die den
schönen Sport Wasserfahren ausüben wollten, wurden in
den Vereinen auch Mitglieder anderer Berufsarten
aufgenommen. So konnte der Sport überleben und bis in
die heutige Zeit erhalten bleiben. Dass Wasserfahren
seinen typischen schweizerischen Ursprung hat, dürfte
auch dadurch bewiesen sein, dass es nur in der Schweiz
betrieben wird. Es hat in der Neuzeit auch keine
Nachahmung im Ausland gefunden.